21.10.2020 - News.

Der GMK Marken-Mittwoch: Die wertvollsten Marken des Jahres, ein trojanisches Eis und kreativer Umgang mit Hass-Kommentaren.

In der vergangenen Woche war es wieder soweit: die wertvollsten Marken des Jahres wurden im Rahmen der jährlichen Interbrand-Studie bekanntgegeben. Nicht nur hier zeigten sich die Auswirkungen des Jahres, auch Kampagnen und Spots von Marken sind weiterhin von dem Pandemie-Thema geprägt. Außerdem stellte sich eine Marke mutig gegen die Lebensmittelindustrie und eine andere wandelte Hass-Kommentare in Spenden um.

Ranking: das sind die zehn wertvollsten Marken der Welt.

Apple ist die weltweit erfolgreichste Marke 2020

Das Marktforschungsunternehmen Interbrand hat wie jedes Jahr die weltweit wertvollsten Marken ermittelt. Die besonderen Umstände in diesem Jahr machen sich auch im nun veröffentlichten Ranking bemerkbar. Online-Anbieter wie Amazon, Netflix oder Spotify gehen als klare Sieger aus dem Ranking hervor, Modeketten wie Zara oder H&M verloren durch die zahlreichen Filialschließungen an Wert. Zu den Neuaufsteigern gehören die Plattform Instagram oder das Softwareunternehmen Zoom. Auf den ersten Plätzen sind wie üblich die großen Technologie Konzerne zu finden. Die wertvollste Marke in diesem Jahr ist Apple, die damit Amazon auf Platz zwei verdrängt. Gefolgt wird Amazon von Microsoft und Google auf Platz drei und vier. Auch große Automobilmarken wie Toyota (Platz sieben) und Mercedes-Benz (Platz acht) finden sich in den Top 10 des Rankings.

Juul: E-Zigaretten Marke stellt Deutschlandgeschäft ein.

Die Marke Juul hatte große Pläne. Für das vergangene Jahr wurde sogar die Marktführerschaft angestrebt. Nun zieht sich der E-Zigarettenhersteller zum Ende des Jahres aus dem deutschen Markt zurück. Bereits im Mai wurden Stellen beim deutschen Tochter-Unternehmen des US-Konzern gekürzt, nun folgte nach immer weiter sinkenden Verkaufszahlen das gesamte Aus für Juul Deutschland. Man müsse "Prioritäten setzen, um langfristig erfolgreich zu sein", begründete das Unternehmen die Entscheidung. Diese Prioritäten lägen nun in der Forschung und Entwicklung.

The North Face: „Reset Normal“.

The North Face ruft in neuer Kampagne zum Reset des Normalen auf

2020 ist ein außergewöhnliches Jahr. Ein Jahr mit vielen Herausforderungen, bedingt durch eine globale Pandemie. Viele Marken machen darauf in ihren Spots, Kampagnen und Produktvorstellungen aufmerksam. Nun ging die Marke The North Face noch einen Schritt weiter. In der neuen Kampagne „Reset Normal“ werden die Konsumenten dazu aufgefordert, das Leben durch Outdoor-Aktivitäten neu zu definieren. In diesem Rahmen hat die Marke mit dem Explore Fund Council ein globales Gremium ins Leben gerufen, das Experten aus Kultur, Unterhaltung, Wissenschaft und Natur zusammenbringt. Das Ziel: gemeinsam Ideen und skalierbare Lösungen entwickeln, wie Diversität im Outdoorsport geschaffen werden kann. „Seit zehn Jahren arbeiten wir daran, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und (Outdoor-)Abenteuer durch unseren Explore Fund für alle zugänglich zu machen", berichtet Steve Lesnard, Global VP of Marketing and Product bei The North Face. "2020 hat uns gezeigt, dass wir unsere Arbeit radikal beschleunigen müssen und dafür den Support einer großen Community brauchen."

Ikea: Marke investiert in Tech-Startup.

Die Marke Ikea möchte das Online-Einkaufserlebnis verbessern und setzt dafür auf ein Deep-Tech-Startup aus Berlin. Nyris heißt das Unternehmen und hat damit Ikea als neuen Investor gewinnen können. Spezialisiert ist das Unternehmen auf visuelle Suchplattformen, die sie mit dem Invest von Ikea weiterentwickeln und verbessern möchten. "Ikea steht wie kein anderer weltweit für operative Exzellenz, die zu einem nachhaltigen und stabilen Unternehmenswachstum führt. Teil der Reise zu sein, die diese operative Exzellenz vorantreibt, macht uns alle bei Nyris sehr stolz und glücklich. Unser Ziel ist es, das visuelle Suchen und Entdecken zu einer einzigartigen und einnehmenden Erfahrung für alle zu machen", so Anna Lukasson, CEO und Mitbegründerin von Nyris.

Nu Company: Marke schießt gegen Ernährungsministerin.

the nu company kritisiert die deutsche Ernährungspolitik
Bild: the nu company

Das junge Food Startup the nu company stellt sich öffentlich gegen die Lebensmittelindustrie. Mit einem offenen Brief an Ernährungs- und Verbraucherschutz Ministerin Julia Klöckner im Spiegel-Magazin und der Lebensmittelzeitung sowie einer Großkampagne, regt die Marke eine Debatte rund um die gesundheitlichen und ökologischen Risiken der konventionellen Lebensmittelindustrie an. Angesprochen wird unter anderem der hohe Zuckergehalt in Massenprodukten. Bereits vor einigen Wochen berichteten wir über Lemonaid, die sich ebenfalls gegen Klöckner positionierten, da diese einen zu niedrigen Zuckergehalt in den Lemonaid-Produkten sah. Nun folgen die nächsten kritischen Stimmen an der Ernährungspolitik Deutschlands. Neben dem Zuckergehalt kritisieren the nu company den Umgang mit Einwegplastik sowie die CO2-Bilanz der Lebensmittelkonzerne. Gefordert wird eine Zuckersteuer, natürlich abbaubare Verpackungen und Aufforstung als CO2-Ausgleich.

Obi: Marke setzt auf Influencer, um junge Zielgruppe zu erreichen.

DIY und Heimwerken sind in. Trotzdem müssen Marken Wege finden, gezielt die junge Generation Z anzusprechen. Obi löst das nun mithilfe von Influencern. Unter dem Titel „Mach mal mit Obi“ zeigen die Youtuber Julia Beautx, HeyMoritz und Jacob Beautemps ihren Followern, was man alles selber basteln und bauen kann. Zehn Wochen lang gibt es pro Woche drei Episoden auf YouTube, ergänzt durch ein umfassendes Mediapaket auf den eigenen Kanälen der Influencer.

Fritz-Kola: Aus Hass Gutes entstehen lassen.

Fritz-Kola wandelt Hasskommentare in Spenden um

Hass im Netz ist nichts Neues. Wie man damit jedoch kreativ und gut umgehen kann, zeigte jüngst die Marke Fritz-Kola. Eine kritische Karikatur des US-Präsidenten Donald Trump zog einige Hass-Kommentare im Netz auf sich. Auf dem Plakat ist Trump als Karikatur neben einer zuckerfreien „Null-Zucker“-Fritz-Kola abgebildet. Darüber steht der Spruch „Zwei Nullen. Eine schmeckt“. Das zog viele Trump-Befürworter in die Kommentare. Andere kritisierten die Marke für ihre „Respektlosigkeit“ gegenüber dem US-Präsidenten. Statt jedoch klein bei zu geben oder sich zu ärgern, dreht Fritz-Kola den Spieß kurzerhand um. Pro Hasskommentar wird über die Initiative „Hass hilft“ ein Euro für die Flüchtlingsprojekte von „Aktion Deutschland Hilft“ sowie die Initiative gegen rechts "EXIT-Deutschland" gespendet. „Dass Fritz-Kola dabei polarisiert, ist ein Nebeneffekt, den wir in Kauf nehmen, um weiterhin Haltung zu zeigen und aufzuwecken", so Mirco Wolf Wiegert, Gründer und Geschäftsführer von Fritz-Kola. Vor einiger Zeit hatte sich die Marke mit vielen anderen ebenfalls am freiwilligen Werbeboykott der #stophateforprofit-Bewegung teilgenommen.  

Hakle: Toilettenpapier-Automaten gegen Hamsterkäufe.

Es fühlt sich ein wenig an wie ein Déjà-Vu: erneut sind die Regale mit Toilettenpapier leer gekauft und wieder beginnen die Menschen Hamsterkäufe zu tätigen. Zwar gibt es im Gegensatz zur Situation im März noch reichlich Toilettenpapier und niemand muss panisch in den Supermarkt laufen, die Marke Hakle hat laut eines Bild-Berichts trotzdem einen passenden Marketing-Schachzug in der Hinterhand: Toilettenpapier-Automaten. Bisher steht nur einer auf dem Firmengelände in Düsseldorf, angeboten werden zwei Rollen vierlagiges Papier oder dreilagiges mit Kamillenduft. Zudem können Hygiene- und Desinfektionstücher am Automaten gezogen werden.

Häagen Dazs: mit einer Erbsenverpackung gegen Eisdiebe.

Eiscreme-Marke Häagen Dazs versteckt Eis in Erbsenverpackung

Eiscreme – einer der beliebtesten Snacks und laut der Marke Häagen Dazs auch einer der gut geschützt werden sollte. Denn wer möchte schon voller Vorfreude ins Kühlregal schauen und merken, dass Partner, Mitbewohner oder die Familie einem das leckere Eis schon weggegessen haben. Die Marke bedient sich nun an einer der ältesten und bekanntesten Tarnstrategien und präsentiert das Trojanische Eis. So hässlich wie möglich, so unattraktiv wie möglich, so unscheinbar wie möglich sollte das Trojanische (Eis-)Pferd werden. Herausgekommen ist eine maximal nicht ansprechende Erbsenpackung. „Inspiriert von der legendären Geschichte um das Trojanische Pferd und von langweiligen Beuteln mit tiefgefrorenen Erbsen haben wir die Packung speziell mit hässlichen Farben und stumpfem Branding gestaltet, um sicherzustellen, dass kein Kind, kein Lebenspartner, kein Mitbewohner da jemals hineinschauen möchte", sagt Ben Couzens, Kreativchef von Thinkerbell, der Agentur, welche das „Undercover-Eis“-Projekt für Häagen Dazs umsetzte.

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